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Diesen Sommer bekommt der 6-jährige Paul bei schönem Wetter immer wieder rote Augen und eine juckende Nase. Die Mutter kennt das Problem: auch sie leidet an Heuschnupfen.
Der 8-jährige Thomas hat seit 3 Monaten einen hartnäckigen nächtlichen Husten. Auch beim Schulsport kann in letzter Zeit nicht mehr so recht mithalten, bei körperlicher Anstrengung bekommt er pfeifende Ausatemgeräusche. Im Säuglings- und Kleinkindesalter waren schon mehrere spastische Bronchitiden aufgetreten. Die Kinderärztin stellt die Diagnose Asthma. Seit er regelmäßig inhaliert, geht es ihm wieder gut.
Sabrina leidet seit dem Alter von 4 Monaten an einem juckenden Hautausschlag. Im Alter von 9 Monaten bekommt sie beim Essen eines Gemüsegläschens, das Hühnereiweiß enthält, geschwollene Lippen und einen stark juckenden Nesselausschlag: es hat sich zusätzlich zur Neurodermitis eine Hühnereiweißallergie entwickelt.
Allen diesen Kindern, denen Sie in den nächsten Kapiteln wieder begegnen werden, ist eines gemeinsam: sie haben eine Allergie oder ein Asthma entwickelt. Das erste Kapitel informiert darüber, was unter einer Allergie und einem Asthma zu verstehen ist. Es gibt einen Überblick, wie sich Allergien äußern und wodurch sie ausgelöst werden können.
Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Körpers auf bestimmte allergieauslösende Stoffe aus der Umwelt (= Allergene). Das eigentliche Ziel des Immunsystems ist es, den Körper vor Krankheitserregern und Fremdstoffen zu schützen. Im Falle einer Allergie schießt das Abwehrsystem über dieses Ziel hinaus und es entstehen zum Teil höchst unangenehme und krankmachende Symptome.
Ist der Organismus einmal auf einen Allergieauslöser empfindlich geworden, so wird dieser Allergieauslöser bei jedem erneuten Kontakt vom Immunsystem sofort wieder erkannt und kann wieder Krankheitserscheinungen auslösen. Die Mengen des allergieauslösenden Stoffes müssen für diese Wiederholungsreaktionen oft nur verschwindend gering sein.
Pseudoallergien sind allergieähnliche Reaktionen, an denen das Immunsystem nicht beteiligt ist. Die Symptome ähneln jedoch denen einer allergischen Erkrankung. So sind z.B. viele Reaktionen auf Nahrungsmittel und Medikamente keine Allergien im engeren Sinne, sondern Pseudoallergien.
Unter einem Asthma bronchiale versteht man eine anfallsweise auftretende Verengung der Atemwege. Ursache ist eine chronische Entzündung in den Bronchien. Diese Entzündung wird bei Kindern häufig durch Allergien ausgelöst.
Da verschiedene allergische Erkrankungen in Kombination sowie familiär gehäuft auftreten können, wurde der Begriff Atopie geprägt. Man versteht darunter eine familiär auftretende Veranlagung zu Ekzemen, Asthma, Heuschnupfen und Nahrungsmittelallergien.
Unter Sensibilisierung versteht man die Bildung von Allergieantikörpern
(IgE), die jedoch beim Betroffenen (noch) keine Symptome auslösen. Man kann
z.B. bei einer ganzen Reihe von Personen Allergieantikörper gegen Nahrungsmittel
nachweisen, ohne dass jemals entsprechende Krankheitserscheinungen aufgetreten
sind. Die Mechanismen, die bei einer allergischen Reaktion im Immunsystem ablaufen,
sind in
Kapitel 17
beschrieben.
Diese Frage wurde lange Zeit kontrovers diskutiert. Sie ist inzwischen eindeutig mit ja zu beantworten. Wir haben heutzutage zwar bessere Diagnose- und Erfassungsmethoden, damit kann jedoch die deutliche Häufigkeitszunahme nicht erklärt werden.
Etwa 30 bis 50% der Bevölkerung dürften die prinzipielle Veranlagung zu einer allergischen Reaktionsbereitschaft haben. Eine von 2003 bis 2006 vom Robert Koch-Institut bundesweit durchgeführte große Untersuchung (KiGGS = Kinder- und Jugendgesundheitssurvey) hatte bei den 3 bis 17jährigen Kindern und Jugendlichen eine Sensibilisierungsrate von 40,8% gegen mindestens einen Allergieauslöser gezeigt. Zwar werden wir nicht alle im Laufe der Zeit allergisch reagieren, eine weitere Zunahme allergischer Erkrankungen ist jedoch noch möglich.
Die Säuglingszeit und frühe Kindheit sind eine besonders empfindliche Zeit. Dies gilt für alle Einflüsse, die von außen auf das Kind einwirken, sei es auf den Körper, sei es auf die Psyche.
Allergien können sich an vielen Organen äußern. Das macht ihre Symptomatik so vielfältig und ihr Erkennen oft schwierig. Folgende Symptome können Hinweise für eine Allergie sein:
- als Hinweise für eine allergische Bindehautentzündung oder einen allergischen Schnupfen.
- als Hinweise für ein Asthma bronchiale oder eine allergische Entzündung der Lungenbläschen.
- als Hinweise für ein Ekzem oder eine Neurodermitis.
- als Hinweis für eine Nahrungsmittelallergie.
Die schwerwiegendste allergische Reaktion ist der anaphylaktische Schock. Vorboten können ein juckender Nesselausschlag, Kribbelgefühl oder Atemnot sein. Es kommt zum Kreislaufversagen, weil das Blut in den peripheren Blutgefäßen versackt. Die Folge ist ein Blutdruckabfall. Lebenswichtige Organe werden nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, durch eine Mangeldurchblutung des Gehirns kommt es zur Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit. Eine kreislaufstabilisierende medikamentöse Behandlung muss möglichst rasch eingeleitet werden, evtl. sogar mit Herzmassage und künstlicher Beatmung. Ein anaphylaktischer Schock ist zum Glück selten, er kann jedoch lebensbedrohlich sein. Als Auslöser kommen z.B. eine Insektengiftallergie oder eine Nahrungsmittelallergie in Frage.
Allergieauslöser treten mit dem Körper hauptsächlich über die Schleimhäute der Atemwege, den Magendarmtrakt und die Haut in Kontakt. Die meisten Allergieauslöser sind natürliche Stoffe (z.B. Pollen, Hausstaubmilben).
Die meisten Allergien werden durch Allergene hervorgerufen, welche über die Luft in die Schleimhäute der Atemwege oder der Augen gelangen:
Andere Allergene gelangen über den Magendarmtrakt in den Körper:
Gewisse Allergene führen über einen Hautkontakt zu einer Sensibilisierung:
Weitere Informationen zu den oben genannten und weiteren Allergenen finden
Sie in
Kapitel 12
"Allergieauslöser" sowie in den Kapiteln, in denen
die verschiedenen allergischen Erkrankungen beschrieben sind.
Jedes Lebensalter hat seine typische Allergieform (siehe
Abbildung 1-1). Im frühen Säuglingsalter stehen Nahrungsmittelallergien
im Vordergrund, gefolgt von Ekzemen. Asthma beginnt häufig im Kleinkindesalter,
der allergische Schnupfen im Schulalter. Die Bezeichnung "Allergiker-Karriere"
will ausdrücken, dass eine Allergieform eine andere ablösen oder zu
einer anderen hinzutreten kann.
Abbildung 1-1: allergische Erkrankung in Abhängigkeit vom Alter
Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Organismus auf bestimmte allergieauslösende Stoffe. Eine allergische Reaktion geht mit einer Abwehrreaktion des Immunsystems einher. Unter einer Pseudoallergie versteht man Reaktionen, die zwar einer allergischen Reaktion ähneln, an denen jedoch das Immunsystem nicht beteiligt ist. Der Begriff Asthma bronchiale bezeichnet eine anfallsweise auftretende Verengung der Atemwege, hervorgerufen durch eine chronische Entzündung in der Bronchialschleimhaut.
Allergien und Asthma haben in den letzten Jahrzehnten rasant und Besorgnis erregend zugenommen.
Kinder sind für Allergien besonders empfänglich. Das Immunsystem ist noch nicht ausgereift.
Allergieauslöser sind meist natürliche Stoffe und können insbesondere über die Atemwege, den Magendarmtrakt und die Haut mit dem Körper in Kontakt treten und Symptome verursachen. Die gefährlichste allergische Reaktion ist der potentiell lebensbedrohliche anaphylaktische Schock.
Verschiedene Allergieformen treten gehäuft in unterschiedlichen Lebensaltern auf und können einander ablösen (so genannte Allergiker-Karriere).