Allergien und Asthma bei Kindern und Jugendlichen - das PINA online-Buch

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13. HyposensibilisierungLinie Kapitelüberschrift
13. Hyposensibilisierung
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13.1 Was bedeutet Hyposensibilisierung?
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Die Hyposensibilisierung (auch spezifische Immuntherapie (= SIT) oder Allergieimpfung genannt) ist eine der wirksamsten Behandlungsmethoden in der Allergologie. Bei einer Allergie reagiert das Abwehrsystem überschießend auf bestimmte Allergieauslöser (= Allergene). Mit der Hyposensibilisierung wird dem Körper wiederholt ein Allergieauslöser in steigender Dosierung zugeführt, bis diese überschießende Immunreaktion nicht mehr eintritt und das Abwehrsystem den Allergieauslöser toleriert. Die Hyposensibilisierung setzt so bei den Ursachen der Allergieentstehung an.

13.2 Voraussetzungen für eine Hyposensibilisierung
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Die Voraussetzungen für eine Hyposensibilisierung sind, dass es sich um eine IgE-vermittelte Allergie vom Soforttyp (also z.B. Heuschnupfen, allergisches Asthma bronchiale, Insektengiftallergie) handelt, der Auslöser eindeutig identifiziert ist, eine Meidung des Allergieauslösers nicht oder nicht ausreichend möglich ist und eine nachgewiesen wirksame Behandlungslösung zur Verfügung steht. Der Patient muss ausreichend motiviert sein, die Behandlung über mehrere Jahre konsequent durchzuführen und Kinder sollten mindestens 5-6 Jahre alt sein (Ausnahme: bedrohliche Insektengiftallergien).

13.3 Warum eine Hyposensibilisierung schon bei Kindern?
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Die Hyposensibilisierungsbehandlung ist im Kindes- und Jugendalter aus folgenden Gründen besonders erfolgversprechend:

13.4 Formen der Hyposensibilisierung
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Die am häufigsten angewendete und wirksamste Form der Hyposensibilisierung ist die sogenannte subcutane Immuntherapie (SCIT). Hierbei wird das Allergen, in der Regel monatlich über einen Zeitraum von drei (zum Teil auch bis zu fünf) Jahren am Oberarm unter die Haut gespritzt.

Bei der sublingualen Immuntherapie (SLIT) wird das Allergen in Tropfenform oder als Tablette unter die Zunge gebracht. Bis zum Jahre 2009 konnte für die sublinguale Immunterapie (SLIT) im Kindesalter keine überzeugende Wirksamkeit gezeigt werden. Inzwischen liegen zwei Studien mit Gräsertabletten bei Kindern mit Heuschnupfen vor, welche über bisher eine Pollensaison eine deutliche Verminderung der Symptome und des Medikamentenverbrauchs gezeigt haben. Die Daten der nächsten Jahre werden aber noch zeigen müssen, wie lange die Wirkung der SLIT anhält, wie gut sie bei Asthma wirkt, ob sie auch die Entstehung neuer Allergien vermindern kann und wie viele Kinder überhaupt über drei Jahre hinweg täglich diese Therapie konsequent durchhalten. Die bisherigen Daten legen nahe, dass außerhalb von Studien, in denen die Patienten regelmäßig an die Medikamenteneinnahme erinnert werden, viele sublinguale Immuntherapien vorzeitig abgebrochen werden und dadurch der Behandlungserfolg nicht gewährleistet ist. In der Leitlinie von 2009 wird die SLIT bei Kindern daher nur mit Präparaten mit nachgewiesener Wirksamkeit empfohlen, wenn eine subcutane Immuntherapie nicht in Frage kommt.

13.5 Wann wird eine Hyposensibilisierung durchgeführt und wie erfolgreich ist sie?
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13.6 Wie wird die Hyposensibilisierung durchgeführt?
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Bei der subcutanen Immuntherapie wird die Allergenlösung anfangs meist wöchentlich, später in der Regel monatlich unter die Haut gespritzt. Bei Pollenallergien kann die spezifische Immuntherapie entweder das ganze Jahr hindurch oder auch nur außerhalb der Pollensaison durchgeführt werden. Bei Milben-, Tierhaar- und Insektengiftallergien wird grundsätzlich ganzjährig behandelt. Die Therapiedauer beträgt mindestens drei Jahre. Entscheidend für den Erfolg der Behandlung ist die Gesamtmenge des verabreichten Allergens. Der Langzeiteffekt der SCIT gegen Pollen ist bisher über einen Zeitraum von 12 Jahren belegt.

Die Hyposensibilisierung bei Insektengiftallergie wird meist als Schnellhyposensibilisierung mit rascher Dosissteigerung innerhalb weniger Tage bis zur Erhaltungsdosis begonnen. Dies muss allerdings unter stationären Bedingungen im Krankenhaus geschehen. Die Fortführung der Injektionsbehandlung kann dann ambulant erfolgen.

Bei der sublingualen Immuntherapie wird das Allergen täglich in Tropfenform oder als Tablette unter die Zunge gebracht. Die erste Dosis muss unter Beobachtung in der Arztpraxis verabreicht werden.

13.7 Welche unerwünschten Reaktionen können auftreten?
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Wie bei jeder anderen Behandlung können auch bei einer Hyposensibilisierung unerwünschte Reaktionen auftreten. Ein allergologisch erfahrener Arzt kann durch die richtige Auswahl und Dosierung des Allergens aber die Nebenwirkungsrate minimieren.

SCIT

SLIT

13.8 Gibt es Gegenanzeigen für eine Hyposensibilisierung?
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Eine Hyposensibilisierung sollte nicht durchgeführt werden bei schwerem Asthma (wenn bereits nicht mehr rückbildungsfähige Lungenveränderungen eingetreten sind), Immundefekten (= Störungen der Abwehrfunktion), Autoimmunerkrankungen, bösartigen Erkrankungen, Einnahme von Medikamenten die das Immunsystem schwächen, Einnahme von sogenannten Betablockern, Vorliegen einer Schwangerschaft oder wenn abzusehen ist, dass die Therapie nicht zuverlässig weitergeführt wird. Nur mit Einschränkung empfohlen werden kann eine Hyposensibilisierung, wenn viele unterschiedliche Allergieauslöser für die Erkrankung verantwortlich sind.

13.9 Was muss bei der Durchführung einer Hyposensibilisierung beachtet werden?
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SCIT

SLIT

Und denken Sie daran: Eine gute Mitarbeit garantiert den besten Erfolg!

13.10 Zusammenfassung
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Bei der Hyposensibilisierung oder spezifischen Immuntherapie (SIT) wird dem Körper wiederholt ein Allergen in ansteigender Dosierung zugeführt mit dem Ziel, dass der Körper eine Toleranz gegen das Allergen entwickelt. Sie setzt daher bei den Ursachen der Allergieentstehung an. Die Haupteinsatzgebiete der Hyposensibilisierung sind die Allergien vom Soforttyp der Atemwege (Heuschnupfen und Asthma bronchiale) sowie die Bienen- und Wespengiftallergie. Die Hyposensibilisierung wird in der Regel in Form subcutaner Injektionen (unter die Haut) durchgeführt. Die sublinguale Hyposensibilisierung (das Allergen wird unter die Zunge gebracht) wird bei Kindern nur empfohlen, wenn eine subcutane Immuntherapie nicht in Frage kommt, da insbesondere noch nicht nachgewiesen ist, ob sie auf Dauer genauso wirksam ist wie die Spritzenform.

 

© Dr. P.J.Fischer - pina 8/2002 - 1/2011
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