Druckversion öffnen (pdf-Datei,
727 KB)

In diesem Kapitel werden nach kurzer Erläuterung von Aufbau und Funktion der Haut die Neurodermitis (atopische Dermatitis), Kontaktallergien der Haut, der Nesselausschlag (Urtikaria) und die sogenannte Sonnenallergie besprochen.
Die Haut ist aus mehreren Schichten aufgebaut: der Oberhaut, der Lederhaut und der Unterhaut. Sie hat mehrere wichtige Funktionen: sie schützt den Körper vor Austrocknung, physikalischen (z.B. Sonnenstrahlen, Kälte) und chemischen Einflüssen sowie dem Eindringen von Krankheitserregern (Viren, Bakterien, Pilze). Die Haut ist ein wichtiger Bestandteil der Wärmeregulation des Körpers. Vorstufen des Vitamin D werden in der Haut gebildet. Daneben nehmen Nervenzellen Sinneseindrücke aus der Außenwelt wie Wärme, Kälte, Schmerz und Berührungsreize auf. Die Haut ist somit auch ein wichtiges Kommunikationsorgan. Weil zumindest Teile der Haut immer für jedermann sichtbar sind, haben viele Hauterkrankungen auch eine große soziale Komponente.
Im Alter von vier Monaten hatte bei Sabrina ein schuppender Ausschlag im Bereich des Gesichtes begonnen. Die entzündliche Hautrötung breitete sich innerhalb von zwei Monaten fast auf den ganzen Körper aus. Der Ausschlag juckte wahnsinnig. Sabrina kratzte sich, sobald sich die Gelegenheit dazu bot, z.B. wenn sie zum Wickeln ausgezogen wurde. Zeitweise schlief sie und infolgedessen auch die übrige Familie kaum. Die Diagnose des Kinderarztes lautete unzweifelhaft "Neurodermitis".
Der Hautzustand Sabrinas wechselte stark. Es gab gute Phasen und schlechte Phasen, wo Sabrina überall rot war und sich den ganzen Tag zu kratzen schien. Im Alter von neun Monaten erhielt Sabrina ein Gemüsegläschen, das Hühnereiweiß enthielt. Innerhalb von 15 Minuten verfärbte sich Sabrinas Haut rot und juckte fürchterlich. Ein Bluttest brachte die Bestätigung: Es hatte sich eine Hühnereiweißallergie entwickelt.
Die Neurodermitis hat viele Namen, die gängigsten sind: Neurodermitis, atopische Dermatitis, atopisches Ekzem und endogenes Ekzem. Neurodermitis ist die älteste und immer noch geläufigste Bezeichnung. Die Begriffe atopische Dermatitis und atopisches Ekzem haben sich in der wissenschaftlichen Literatur durchgesetzt und verdeutlichen die familiäre Häufung und den Zusammenhang mit anderen atopischen Erkrankungen. Die Bezeichnung endogenes Ekzem zeigt auf, dass viele Erkrankungsschübe gleichsam "von innen" gesteuert werden, ohne von außen erkennbaren Auslöser.
Die Neurodermitis ist eine stark juckende, in der Regel chronisch in Schüben verlaufende entzündliche Hauterkrankung. Erscheinungsform und befallene Körperstellen ändern sich in verschiedenen Altersstufen. Mit einem Auftreten von ca. 10 % ist sie die häufigste chronische Hauterkrankung bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Neurodermitis ist mit allergischen Vorgängen allein nicht zu erklären. Jedoch liegt sehr häufig eine familiäre Veranlagung zu Neurodermitis, Heuschnupfen, allergischem Asthma und Nahrungsmittelallergien (eine sogenannte Atopie) vor.
Die Neurodermitishaut ist trocken, schuppig oder mit Krusten bedeckt, im akuten
Stadium gerötet, evtl. mit Bläschen und nässenden Stellen. Es besteht
starker Juckreiz, der die Kinder sehr unruhig, missgelaunt und reizbar machen
kann. Es gibt eine große Schwankungsbreite im Ausprägungsgrad: bei
vielen Betroffene sind nur eine oder wenige Körperstellen, bei manchen praktisch
die gesamte Haut beteiligt (siehe
Abbildung 6-1 bis 6-5).
Säuglingsalter bis zweites Lebensjahr
Die meisten Kinder entwickeln Symptome innerhalb der ersten ein bis zwei Lebensjahre, jedoch selten vor dem dritten Lebensmonat. Zunächst sind meist die Wangen in Form einer trockenen, schuppenden Rötung betroffen. Es bilden sich Bläschen, die Haut nässt und verkrustet infolge einer Infektion durch Bakterien. Diese Veränderungen können sich auf die Stirn, die Kopfhaut und den übrigen Körper ausbreiten. Der Windelbereich bleibt meist frei. Da Säuglinge vor dem Alter von 4 bis 6 Monaten nicht gezielt kratzen können, reiben sie sich das Gesicht gegen die Bettwäsche oder die Gitterstäbe des Bettes. Dadurch wird die Hautoberfläche zerstört, die Haut nässt, verkrustet, der Juckreiz verstärkt sich und die Haut kann sich leicht infizieren (Juckreiz-Kratz-Zirkel).
Der rote, schuppende, zum Teil verkrustete Ausschlag im Gesichts- und Kopfbereich wird auch Milchschorf genannt. Man kann daraus allerdings nicht automatisch auf eine Milchunverträglichkeit schließen. Eine nur im behaarten Kopfbereich bestehende Schuppung wird als Gneis bezeichnet und hat keinen Zusammenhang mit einer Neurodermitis.

Befall der Halsregion

Befall der Kniekehle

Neurodermitis im Gesicht
Abbildung 6-1,2,3: Neurodermitis an verschiedenen Körperstellen
Zweites bis zwölftes Lebensjahr
Die akut entzündlichen Erscheinungen wie Bläschenbildung und Nässen
der Haut gehen zurück. Die Haut ist insgesamt trocken. Es bilden sich kleine
Knötchen (Papeln), die sich durch Kratzen vergrößern und verkrusten.
Eine weitere Folge von Kratzen und Infektionen ist eine Verdickung der Haut (Lichenifikation).
Typische befallene Stellen sind jetzt die Ellbeugen und Kniekehlen, der Nacken
und die seitlichen Teile des Rumpfes. Bei Schulkindern können auch isoliert
die Füße betroffen sein. Die Haut ist schuppend und rissig, zwischen
den Zehen auch nässend und wird häufig mit einem Fußpilz verwechselt.
Da die Erscheinungen an den Füßen durch das
geschlossene Schuhwerk im Winter am ausgeprägtesten sind, spricht man auch
von "atopischen Winterfüßen" (siehe
Abbildung 6-4).

Abbildung 6-5:
Superinfektion

Abbildung 6-4:
Atopische Winterfüße
Jugendlichen- und Erwachsenenalter
Bei milden Verlaufsformen findet sich eventuell lediglich eine insgesamt trockene und empfindliche Haut sowie eine leichte Hautverdickung besonders in den Ellbeugen und Kniekehlen. Einige Patienten haben auch einzelne Ekzemherde an bestimmten Körperstellen (z.B. Händen oder Füßen). Der Juckreiz wird insgesamt schwächer. Schwere Verlaufsformen werden seltener.
Die Ursachen der Neurodermitis sind noch nicht vollständig geklärt.
Es gibt nicht "die" Ursache der Neurodermitis, sondern viele unterschiedliche
Faktoren können als Auslöse- und Verschlechterungsfaktoren eine Rolle
spielen (siehe
Abbildung 6-6). Seien Sie prinzipiell misstrauisch gegenüber
jemandem der behauptet, er habe "die" Ursache der Neurodermitis gefunden
und könne sie mit seiner Methode schnell und dauerhaft heilen.
Abbildung 6-6: Ursachen der Neurodermitis
Wichtig ist, dass die individuellen Auslöse- und Verschlechterungsfaktoren bei jedem Kind ganz unterschiedlich sein können. Dies bedeutet, dass bei dem einen Kind eine Nahrungsmittelallergie, bei einem anderen Kind unspezifische Provokationsfaktoren wie mechanische Hautreizung oder Schwitzen als Auslösefaktoren ganz im Vordergrund stehen können.
Folgende Merkmale spielen für die Reaktionen der Neurodermitishaut eine Hauptrolle:
Zudem ist die Neurodermitishaut vermehrt anfällig für Infektionen durch Eiterbakterien und Viren. Die Blutgefäße in der Haut haben eine starke Neigung, sich zusammenzuziehen. Dies zeigt sich an einer Blässe im Gesicht und dem weißen Dermographismus: wenn man z.B. mit dem Holzspatel über die Haut am Rücken streicht, wird die Haut an diesen Stellen nicht wie normalerweise der Fall rot, sondern weiß. Hände und Füße sind oft schlecht durchblutet und kühl.
Die Diagnose einer Neurodermitis wird durch die charakteristischen Hauterscheinungen gestellt, gestützt durch das Vorkommen atopischer Erkrankungen in der Familie. Es gibt keine Laboruntersuchung oder andere technische Untersuchung, welche beweisend für eine Neurodermitis ist. Auf der Suche nach allergischen und nichtallergischen Auslösern ist zuallererst die Beobachtung der Eltern und evtl. des Kindes wichtig. Je genauer Ihre Beobachtungen zu möglichen Auslöse- und Verschlechterungsfaktoren sind, desto besser kann ein Auslöser eingegrenzt und ein Allergietest geplant werden.
Folgende Testverfahren kommen zum Einsatz (siehe auch
Kapitel 3):
a) Hauttests
Beim Pricktest wird die Testsubstanz mit einer feinen Lanzette oberflächlich in die Haut eingebracht. Eine positive Reaktion zeigt sich als Rötung und Erhebung der Haut (Quaddel).
Beim Atopie-Patch-Test wird die Testsubstanz mit einem speziellen Pflaster für 48 Stunden mit der Haut in Kontakt gebracht. Eine positive Reaktion zeigt sich als Rötung, Knötchen oder Bläschen.
b) Bluttests
Auch im Blut kann nach allergieauslösenden Antikörpern gesucht werden, insbesondere wenn der Hautzustand keine Hauttests erlaubt. Das am häufigsten verwendete Verfahren ist der RAST (Radio-Allergo-Sorbent-Test) und dessen Varianten, bei denen die Immunantwort in verschiedenen Stärkegraden (Klassen) angegeben wird.
Doch Achtung!: Eine positive Reaktion im Allergietest beweist nicht automatisch das Vorliegen einer Allergie! Sie zeigt lediglich an, dass das Immunsystem Kontakt mit der entsprechenden Substanz gehabt und Allergieantikörper gebildet hat (= Sensibilisierung). Ob eine Sensibilisierung auch wirklich Krankheitserscheinungen hervorruft (= Allergie), muss vor allem bei Nahrungsmitteln in der Regel durch einen Auslass- und Provokationsversuch überprüft werden. Das Weglassen eines verdächtigen Nahrungsmittels muss eine Symptombesserung, das Wiedereinführen eine Symptomverschlechterung zur Folge haben. Sogenannte pseudoallergische Reaktionen auf Nahrungsmittel (z.B. auf Fruchtsäuren) können nur durch Elimination und Provokation diagnostiziert werden, da der Körper in diesem Falle keine Allergieantikörper bildet. Leider kommt es immer wieder vor, dass der Allergietest und nicht das allergiekranke Kind behandelt wird und dadurch dem Kind unsinnige Diäten zugemutet werden.
Ungeeignete Diagnosemethoden sind u.a. die Kinesiologie, Bioresonanz, Elektroakupunktur, Haarmineralstoffanalyse oder die Bestimmung von IgG-Antikörpern auf Nahrungsmittel.
Es gibt einige Erkrankungen, die von einer Neurodermitis unterschieden werden müssen:
Die Neurodermitis nimmt einen Verlauf in Schüben mit
erscheinungsfreien oder erscheinungsarmen Phasen und Verschlechterungsphasen (siehe
Abbildung 6-7). Nicht immer kann für einen Verschlechterungsschub
ein Auslöser festgemacht werden. Bei den meisten Kindern kommt es glücklicherweise
bis zum Schulalter zu einer deutlichen Besserung des Hautzustandes. Die Neigung
zu trockener Haut bleibt allerdings bestehen. Es besteht jedoch weiterhin eine
erhöhte Allergiebereitschaft (z.B. auf Pollen, Tiere, Hausstaubmilben)
und ein erhöhtes Asthmarisiko. Daher ist auch im weiteren
Verlauf das Meiden potenter Allergieauslöser wichtig, ebenso sollte die Berufswahl
sorgfältig geplant werden.

Abbildung 6-7: Wellenförmiger Verlauf der Neurodermitis in Schüben
Im Laufe der Zeit sind eine Vielzahl von Theorien entstanden, welche die Entstehung einer Neurodermitis durch bestimmte Persönlichkeitsfaktoren beim Betroffenen sowie bestimmte Konstellationen im familiären Umfeld erklären wollen. Inzwischen steht fest, dass es eine typische Neurodermitispersönlichkeit nicht gibt und dass psychische Faktoren nicht die Ursache der Neurodermitis darstellen. Unbestritten ist jedoch, dass psychische Faktoren bei vielen Neurodermitikern einen unterschiedlich starken Einfluss auf den Hautzustand haben können.
Auswirkungen der Psyche auf die Neurodermitis
Jede Art von psychischem "Stress" kann sich verschlechternd auf die Haut auswirken. Bei einem kleinen Kind kann dies die Trennung von der Mutter durch einen Krankenhausaufenthalt sein, bei einem größeren Kind die Anspannung vor einer Klassenarbeit. Interessant ist die Beobachtung mancher Eltern, dass auch überströmende Freude den Hautbefund bei ihrem Kind verschlechtern kann. Diese Reaktionen sind über Einflüsse des Nervensystems auf das Immunsystems zu erklären, das eine verstärkten Entzündungsaktivität in der Haut auslöst.
Rückwirkungen der Neurodermitis auf die Psyche
Die Rückwirkungen der Neurodermitis auf die Psyche sind nicht zu unterschätzen:
1) Allgemeines
Für die Neurodermitisbehandlung ist viel Geduld nötig,
eine rasche Heilung gibt es leider nicht. Wenn manche Behandler dies dennoch versprechen,
sollten Sie diese Versprechungen sehr kritisch hinterfragen. Die Enttäuschung
ist ansonsten hinterher meist groß und Sie haben für diese Versprechungen
unter Umständen viel Geld ausgegeben. Glücklicherweise können die
meisten von Neurodermitis betroffenen Kinder und Jugendlichen mit den heutigen
erprobten und anerkannten Therapiemöglichkeiten erfolgreich behandelt werden
und eine gute Lebensqualität erreichen. Man geht am besten nach einem Stufenschema
vor (siehe
Tabelle 6-1).
Da an der Entstehung einer Neurodermitis viele Faktoren beteiligt sind, die bei jedem Betroffenen ein unterschiedliches Gewicht haben, kann es die für alle Patienten einzig richtige Therapie nicht geben. Es gibt jedoch allgemeine Regeln für die Hautpflege, Kleidung und Vermeidung unspezifischer Reizfaktoren, die für alle Patienten mit Neurodermitis gelten. Andere Maßnahmen müssen auf jeden Einzelfall abgestimmt werden.
Sicherheit und Geborgenheit im familiären Umfeld verschafft dem Kind die erforderliche psychische Stabilität, mit der Erkrankung besser umgehen zu können. Dazu gehört die Gewissheit, dass das Kind trotz seiner nach außen hin sichtbaren Erkrankung von den Eltern, Geschwistern und anderen Bezugspersonen so geliebt und gemocht wird, wie es ist. Achten Sie auf einen möglichst regelmäßigen Tagesablauf.
Tabelle 6-1: Stufentherapie der Neurodermitis
| 1. Stufe: trockene Haut 2. Stufe: leichte Entzündung 3. Stufe: starke Entzündung bzw. Komplikationen |
2) Auslösefaktoren meiden
Bekannte Provokationsfaktoren und Allergieauslöser müssen natürlich gemieden werden. Dazu gehört auch, dass in der Wohnung nicht geraucht wird. Schon aus Gründen der Allergievorbeugung sollten keine fell- oder federntragende Haustiere angeschafft und vor allem im Schlafbereich ein für Milben und Schimmelpilze ungünstiges Klima geschaffen werden: wischbare Böden, sparsame Möblierung, regelmäßiges Stoßlüften zur Herabsetzung der relativen Luftfeuchtigkeit auf unter 55%, waschbares Bettzeug, evtl. milbendichte Matratzenüberzüge, keine Felle ins Bett, Anzahl der Kuscheltiere begrenzen, keine Staubfänger wie schwere Vorhänge.
3) Hautreinigung
Bei der Hautreinigung muss eine zu starke Reizung und Austrocknung der Haut unbedingt vermieden werden. Die Haut sollte möglichst mit klarem Wasser, bei stärkerer Verschmutzung zusätzlich am besten seifenfrei mit einem Waschsyndet mit einem pH-Wert zwischen 5 und 6 (leicht sauer) gereinigt werden. Generell ist Duschen für die Haut schonender als Baden. Daher sollte in der Regel nur 1-2 Mal pro Woche, nicht zu warm (bis 35 Grad) und maximal 15 Minuten gebadet werden. Zwischendurch ist bei Bedarf ein kurzes, nicht zu heißes Abduschen möglich. Dadurch wird die Haut von Schmutz, Schweiß und Salbenresten befreit und auch die Bakterienzahl auf der Haut reduziert. Kaltes Abduschen des Körpers fördert auch die körpereigene Kortisonproduktion und wirkt dadurch zusätzlich antientzündlich und juckreizstillend. Beim Abtrocknen die Haut nicht stark reiben, sondern sanft abtupfen.
4) Hautpflege
Eine Grundpflege (= Basispflege) muss auch unabhängig von Baden oder Duschen
täglich durchgeführt werden. Dies mildert auch den Juckreiz und die
Anfälligkeit für Infektionen. Bei entzündeter oder infizierter
Haut kommt eine antientzündliche, juckreizstillende und/oder antiinfektiöse
Therapie hinzu (siehe
Tabelle 6-1). Die Hautpflege sollte in möglichst
angenehmer und entspannter Atmosphäre durchgeführt werden und für
Eltern und Kind nicht zu einer lästigen Pflichtübung werden.
a) Grundpflege
Die Neurodermitishaut braucht Feuchtigkeit und Fett. Rückfetten ist in der Regel zwei- bis dreimal täglich und vor allem nach dem Baden und Duschen erforderlich. Das Verhältnis von Feuchtigkeit zu Fett in der Pflegegrundlage muss je nach Hautzustand und Jahreszeit variiert werden. Grundsätzlich gilt, dass eine trockene Haut viel Fett, eine entzündete oder gar nässende Haut wenig Fett braucht. Im Sommer braucht die Haut vor allem Feuchtigkeit. Das Auftragen von zu viel Fett schließt die Haut nach außen ab, der Schweiß staut sich unter der Salbe, was den Juckreiz fördert und den Hautbefund verschlechtert. Im Sommer verwendet man daher als Grundpflege eine Creme. Im Winter hingegen braucht die Haut mehr Fett. Daher wird im Winter zur Grundpflege eine Salbe genommen. Der Fettgehalt in den Pflegemitteln steigt in folgender Reihenfolge an: Lotio - Creme - Lipolotio - Salbe - Fettsalbe - Öl. Ölbäder können die Grundpflege ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Falls ein Ölbad verwendet wird, sollte es erst gegen Ende des Badevorgangs zugefügt werden; die Haut kann dann vorher genügend Feuchtigkeit aufnehmen.
Der richtige Umgang mit den verschiedenen Cremes und Salben zur Grundpflege ist viel wichtiger als die ständige Suche nach einer neuen "Wundersalbe"! Die benötigten Basiscremes und -salben werden von verschiedenen Firmen hergestellt, wobei jeder Arzt die Cremes und Salben verwendet, mit denen er am meisten Erfahrung hat. Spezielle Rezepturen werden vom Apotheker selbst zubereitet. Im Zweifelsfall macht man einen Halbseitenversuch: die eine Körperhälfte wird mit der einen, die andere Körperhälfte mit einer anderen Creme oder Salbe behandelt. Nach ein paar Tagen kann man dann die Wirkung direkt vergleichen. Die Creme sollte am besten aus einer Tube oder, wenn dies nicht möglich ist, mit einem Löffel oder Holzspatel aus dem Cremetopf entnommen werden.
b) wirkstoffhaltige Zusätze
Bei Bedarf werden der Pflegegrundlage wirkstoffhaltige Zusätze beigemischt:
Harnstoff, juckreizstillende, antiinfektiöse oder antientzündliche Wirkstoffe
(siehe
Tabelle 6-2). Die beste nichtmedikamentöse juckreizstillende
Maßnahme ist Kühlung. Bei entzündeter Haut wird man zunächst
versuchen, mit leicht antientzündlich wirkenden Cremes eine Besserung zu
erzielen. Bei schweren Hauterscheinungen kann jedoch eine Kortisoncreme erforderlich
werden. Werden Kortisonpräparate der Klasse I (schwach, z.B. Hydrocortison)
und Klasse II (mittelstark, z.B. Alfason®, Dermatop® , Pandel®) über
einen begrenzten Zeitraum angewendet, sind mit den modernen Zubereitungen keine
Nebenwirkungen zu erwarten und die häufig anzutreffende Kortisonangst ist
unbegründet. Bei einer zu langen Anwendung starker Kortisoncremes kann es
allerdings zu einer Hautverdünnung (Hautatrophie) kommen. Ein behutsames
Vorgehen ist im Gesicht und Genitalbereich angebracht. Eine Kortisonbehandlung
sollte immer schrittweise ausgeschlichen werden: z.B. in der 1. Woche Anwendung
täglich, in der 2.Woche jeden 2.Tag und in der 3.Woche jeden 3.Tag.
Tabelle 6-2: Wirkstoffe in der Lokaltherapie der Neurodermitis
| Harnstoff -schuppenlösend, wasserbindend und hautglättend -kann auf entzündeter Haut und dünner Säuglingshaut brennen juckreizstillend - Polidocanol, Menthol, die unten aufgeführten antientzündlichen Wirkstoffe antiinfektiös - Jodlösung, Kaliumpermanganat (als Badezusatz) - Triclosan, Chlorhexidin u.a.: gegen Bakterien und Hefepilze - Farbstoffe (z.B. Eosin, Pyoktanin): zusätzlich austrocknend und gerbend, besonders für nässende Stellen geeignet - Lokalantibiotika: gegen Bakterien - Aciclovir: gegen Herpesviren leicht antientzündlich - Zinkoxid: gerbend, entzündungshemmend und kühlend - Eichenrinde, Tannin, Schwarztee, essigsaure Tonerde: gerbend, gut für Umschläge geeignet - Bufexamac (kann selbst allergische Reaktionen hervorrufen!) - Schieferölzubereitungen stark antientzündlich - Kortison - Tacrolimus, Pimecrolimus |
2002 wurden in Deutschland zwei neue antientzündliche Substanzen zur Lokalbehandlung ab dem Alter von zwei Jahren zugelassen (Tacrolimus = Protopic®, Pimecrolimus = Elidel®, Douglan®). Sie entsprechen der Wirkstärke einer schwachen bis mittelstarken Kortisoncreme. Es handelt sich um Produkte aus Schimmelpilzen, die bei der Erforschung von immunhemmenden Medikamenten für die Transplantationsmedizin entdeckt wurden. Als Creme oder Salbe auf die Haut aufgetragen gelangen bei den meisten Kindern nur minimale Mengen ins Blut. Der große Vorteil dieser Medikamente ist, dass sie nicht zu einer Hautverdünnung führen, wie dies bei einer zu langen Anwendung starker Kortisoncremes möglich ist. Dies ist besonders im Gesicht und im Bereich anderer problematischer Hautstellen wichtig. Am Anfang der Behandlung kann ein Brennen der Haut auftreten, das aber meist nach einigen Tagen wieder verschwindet. Auch sollte die Haut nicht direkt der Sonne ausgesetzt werden und ein guter Sonnenschutz am besten durch Textilien oder wo nicht anders möglich durch Sonnenschutzpräparate gewährleistet sein. Der Erfolg von Schutzimpfungen wird nicht beeinträchtigt.
Insgesamt stellen Tacrolimus und Pimecrolimus einen großen Fortschritt in der Behandlung der Neurodermitis dar. Erfahrungen über eine Langzeitbehandlung über viele Jahre liegen allerdings noch nicht vor und der Preis für diese Präparate ist noch etwa doppelt so hoch wie der einer Kortisoncreme.
Benützen Sie keine nicht oder unvollständig deklarierten "Wundermittel", welche ganz schnell helfen sollen. Unter Umständen ist die wirksame Substanz ein darin enthaltenes Kortikoid.
5) Behandlung der nässenden Haut
Auf eine nässende Haut darf keine fettige Salbe aufgetragen werden, da unter einer Fettschicht sich das Wundsekret anstaut und nicht abtrocknen kann. Hier nimmt man im Akutstadium eine Creme. Bei stark nässender Haut verwendet man feuchte Umschläge z.B. in Form von physiologischer Kochsalzlösung, Schwarztee oder 10%-iger essigsaurer Tonerde, welche jeweils für zehn Minuten mehrmals täglich angewendet werden. Man kann in diesem Stadium auch ein- bis zweimal täglich eine Zinkschüttelmixtur mit einem Gerbstoffzusatz (z.B. Tannosynt® Lotio) benutzen; sobald sich eine Kruste bildet, wird die Behandlung mit einer Creme fortgeführt.
6) Behandlung einer Infektion
Infektionen durch Bakterien (meist Staphylokokkus aureus) sind häufig an der Verschlechterung des Hautbefundes beteiligt. Es entwickeln sich dann gelbliche Krusten an den befallenen Stellen. Ohne Behandlung der Infektion kann die Haut nicht heilen. Im Anfangsstadium kann man desinfizierende Bäder oder Lokalantibiotika (z.B. Fucidine® Creme) einsetzen. Ist die Infektion ausgedehnt, muss eine innerliche Behandlung mit einem Antibiotikum durchgeführt werden. Es ist erstaunlich, wie rasch sich die Haut oft beruhigt, wenn die Infektion unter Kontrolle ist.
Superinfektionen mit dem Herpesvirus (Ekzema herpeticatum) mit kleinen, gruppiert stehenden Bläschen waren früher sehr gefürchtet. Mit der Anwendung von Aciclovir (Zovirax® und Generica) hat diese Komplikation heute gut behandelbar. Sind kleinere Areale betroffen, kann ein Versuch mit der örtlichen Anwendung gemacht werden. Bei ausgedehntem Befall ist die Einnahme oder intravenöse Gabe von Aciclovir erforderlich.
7) innerliche Medikamente
Zur Juckreizstillung können Antihistaminika eingesetzt werden. Die älteren Antihistaminika (z.B. Fenistil®, Tavegil®) können müde machen (oft erwünscht), die neueren Antihistaminika (z.B. Aerius®, Lisino® und Generica, Zyrtec® und Generica, Xusal®) haben auch eine antientzündliche Wirkung. Bei ausgeprägten Infektionen sind Antibiotika erforderlich. Bei ganz schwerer Neurodermitis muss in seltenen Fällen Kortison oder ein anderes stark antientzündlich und immunhemmend wirkendes Medikament (z.B. Ciclosporin) eingenommen werden.
8) Sonstiges
Die Einnahme von Nachtkerzensamenöl hat in den meisten Studien keinen zufriedenstellenden Erfolg gezeigt. Zur Zeit wird geprüft, ob Probiotika (Bakterien, welche die Darmflora günstig beeinflussen) über einen Einfluss auf das Immunsystems im Darm zur Therapie und auch Vorbeugung der Neurodermitis eingesetzt werden können. Erste Studien zeigten erfolgversprechende Resultate. Allerdings muss vor einer allgemeinen Empfehlung noch geklärt werden, welche Kinder von einer Behandlung profitieren und welche Bakterienstämme die beste Wirkung zeigen.
Kratzen führt zu noch stärkerem Juckreiz, Entzündung und offenen Stellen (Juckreiz-Kratz-Zirkel) und stellt bei vielen Neurodermitiskindern ein großes Problem dar. Daher Fingernägel kurz schneiden, Säuglingen Baumwollhandschuhe anziehen, Schlafanzugärmel zubinden, evtl. Neurodermitikeranzug verwenden, Schwitzen vermeiden. Juckreizstillende Mittel können örtlich aufgetragen (z.B. Eichenrinde, Polidocanol) oder müssen in schwereren Fällen eingenommen werden (Antihistaminika). Es ist ganz entscheidend, eine vom Kind akzeptierte Methode zur Juckreizstillung zu finden. Folgende Juckreiz-Stopp-Techniken haben sich bewährt:
Die Kleidung sollte nicht zu eng anliegen, das Material glatt, saugfähig, luftdurchlässig und alles, was direkt auf dem Körper getragen wird, nicht intensiv gefärbt sein (z.B. ungefärbte Baumwolle, Leinen, Viskose, Seide). Wolle oder Felle verstärken den Juckreiz. Einnäher aus Synthetik entfernen, evtl. Nähte nach außen tragen. Insgesamt sollte die Kleidung vor allem im Sommer nicht zu warm sein, um das Schwitzen nicht zu fördern. Auch Mutter und Vater sollten bei der Pflege oder beim Spielen mit ihrem Kind nicht unbedingt einen Wollpullover tragen.
Unterschieden werden muss zwischen einer Ernährung, die einer Nahrungsmittelallergie vorbeugen soll und einer Ernährung bei einer nachgewiesenen Nahrungsmittelallergie. Bei einer vorbeugenden allergenarmen Kost werden bekanntermaßen aggressive Nahrungsmittelallergene vermieden oder möglichst spät in den Speiseplan eingeführt. Bei einer nachgewiesenen Nahrungsmittelallergie wird eine gezielte Auslassdiät (Eliminationsdiät) unter Ausschluss eines oder mehrerer Nahrungsmittel durchgeführt.
a) Kinder ohne nachgewiesene Nahrungsmittelallergie
Säuglinge sollten möglichst über 4 bis 6 Monate voll gestillt werden. Nach Absprache mit dem Kinderarzt kann ersatzweise eine hypoallergene Säuglingsnahrung (H.A.-Nahrung, z.B. Aptamil H.A.®, Beba H.A.®, Hipp H.A.® oder Humana H.A.®) bzw. eine starke Hydrolysatnahrung (z.B. Alfaré®, Nutramigen®, Pregomin®) verwendet werden. Das Zufüttern von Kuhmilch- oder Sojapräparaten in den ersten Lebenstagen auf der Entbindungsstation sollte unterbleiben. Statt dessen kann, wenn unbedingt erforderlich, eine Traubenzuckerlösung gegeben werden bis ausreichend Muttermilch zur Verfügung steht. Mit Beikost erst nach 6 Monaten beginnen. Je später der Kontakt mit potentiell allergieauslösenden Nahrungsmitteln erfolgt, desto geringer ist das Risiko einer Sensibilisierung. Kuhmilch, Eier, Nüsse, Fisch und exotische Früchte im ersten Lebensjahr meiden, da diese besonders häufig Allergien auslösen. Auch Fruchtsäuren (z.B. in Zitrusfrüchten), zu viel Süßes, in seltenen Fällen auch Farb- und Konservierungsstoffe können den Hautzustand verschlechtern.
Ungezielte Eliminationsdiäten, bei denen eine Vielzahl
wichtiger Nährstoffe ohne gezielte Beobachtungsphase und Auslassversuch aus
der Nahrung entfernt werden, sind abzulehnen. Je jünger
das Kind ist, um so gravierender können die Folgen einer Mangelernährung
sein. Gedeihstörungen, Wachstumsstörungen, Schilddrüsenunterfunktion
sind mögliche Folgen. Werden wichtige Nahrungsmittel (z.B. Milch) nach einer
Allergietestung aus der Nahrung entfernt, muss für einen bedarfsgerechten
Ersatz gesorgt werden. Dies erfordert eine gezielte Beratung und Überwachung
durch den Arzt oder eine Ernährungsberaterin (siehe auch
Kapitel 7 ("Nahrungsmittelallergien").
Eine allgemeine "Neurodermitisdiät" gibt es nicht.
Leider kann in manchen Fällen auch über die Muttermilch eine Sensibilisierung des Kindes, beispielsweise gegen Kuhmilcheiweiß oder Ei erfolgen. Ein übermäßiger Genuss von Kuhmilch und Ei durch die stillende Mutter ist daher nicht zu empfehlen. Ausreichend umfangreiche Studien über den Wert und die Risiken einer konsequent allergenarmen Ernährung der Mutter während der Stillzeit liegen noch nicht vor, sodass eine solche Maßnahme im Einzelfall entschieden werden muss. Auch eine evtl. Diät der stillenden Mutter muss ärztlich überwacht werden.
Rohkost hat eine größere allergieauslösende Potenz als erhitzte Speisen, da beim Erhitzen manche allergene Bestandteile verändert und in ihrer Aggressivität herabgesetzt werden. Auch selbstgemahlenes frisches Korn hat eine höhere allergene Potenz als in Backwaren aus feiner gemahlenem Mehl, da besonders Hüllbestandteile Allergien auslösen. Daher sind z.B. selbst zubereitete Frischkornmüsli zumindest im frühen Säuglingsalter vom allergologischen Standpunkt aus als ungünstig anzusehen. Dies ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass Rohkost beim Nichtallergiker eine wertvolle Bereicherung des Speiseplanes darstellt.
b) Kinder mit nachgewiesener Nahrungsmittelallergie
Kinder mit einer nachgewiesenen Nahrungsmittelallergie bedürfen einer
gezielten Eliminationsdiät, wobei ein oder mehrere Nahrungsmittel vom Speiseplan
gestrichen werden. Müssen Grundnahrungsmittel weggelassen werden, ist ein
ausreichender Ersatz dafür zu schaffen. Dies erfordert in der Regel, dass
eine Ernährungsberaterin den genauen Nährstoffbedarf berechnet. Weitere
Einzelheiten finden Sie im
Kapitel
7 "Nahrungsmittelallergien".
Neurodermitiskinder sollten alle empfohlenen Routine-Impfungen einschließlich
der Windpocken-Impfung erhalten, da Windpocken bei Neurodermitikern besonders
schwer und unangenehm verlaufen können. Diese Schutzimpfungen werden von
den meisten Neurodermitiskindern problemlos vertragen. Es kann bei einigen Kindern
wie bei jedem Infekt, der das Abwehrsystem anregt, zu einer vorübergehenden
Hautverschlechterung kommen. Man wird daher die empfohlenen Impfungen in einer
möglichst stabilen Phase durchführen. Eine Impfung kann jedoch keine
Neurodermitis verursachen. Grippeimpfstoffe sowie insbesondere der Gelbfieberimpfstoff
dürfen bei starken Hühnereiweißallergikern nur bei strenger Indikation
und sorgfältiger Überwachung verwendet werden, da sie Hühnereiweiß
enthalten (siehe auch
Kapitel 15).
Ein Urlaub am Meer oder im Hochgebirge wirkt sich meist positiv auf die Haut aus. Es gibt jedoch keine Urlaubsregion, die prinzipiell für alle Neurodermitiker gleichermaßen geeignet wäre. An erster Stelle sollten bei der Urlaubsplanung die Wünsche der Familie stehen. Es sind keine positiven Effekte zu erwarten, wenn die Familie beispielsweise wegen des Reizklimas an die Nordsee fährt, die Mehrzahl der Familienmitglieder jedoch viel lieber ans Mittelmeer fahren würde. Konflikte sind hier vorprogrammiert. Wenn die anderen regelmäßig wegen einem Familienmitglied "zurückstecken" müssen, entstehen Spannungen, welche die Heilung nicht fördern. In manchen Fällen kann die Bevorzugung einer bestimmten Urlaubsregion durchaus sinnvoll sein. Besprechen Sie dies am besten mit Ihrem Arzt.
Sorgen Sie bei allem Stress für einen geregelten Tagesablauf mit ausreichend
Schlaf. Suchen Sie Entlastung und lassen Sie auch Ihre Erholungsphasen nicht zu
kurz kommen. Bei älteren Kindern können Entspannungsverfahren nützlich
sein. Eine UV-Therapie wird bei Kindern nicht empfohlen. Bei schwerer Neurodermitis
kann eine Rehabilitationsmaßnahme (siehe auch
Kapitel 18) erforderlich werden.
Neurodermitis-Schulungsprogramme für Eltern und Kinder der Arbeitsgemeinschaft
Neurodermitisschulung (AGNES) haben sich bewährt und ihre Effektivität
nachgewiesen, jedoch ist die generelle Kostenübernahme durch die Krankenkassen
noch nicht endgültig geklärt.
Empfehlungen zur Berufswahl siehe
Kapitel 6.6).
Die Neurodermitis ist eine stark juckende, in der Regel chronisch in Schüben verlaufende entzündliche Hauterkrankung. Sie wird auch als atopische Dermatitis, atopisches Ekzem oder endogenes Ekzem bezeichnet. Mit einem Auftreten von ca. 10 % ist sie die häufigste chronische Hauterkrankung bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Haut ist trocken, schuppig oder mit Krusten bedeckt, im akuten Stadium gerötet, evtl. mit Bläschen und nässenden Stellen. Es besteht starker Juckreiz, der die Kinder sehr unruhig, missgelaunt und reizbar machen kann.
Auf der Grundlage einer vererbten Veranlagung kann eine Vielzahl von Auslöse- und Verschlechterungsfaktoren eine Rolle spielen: Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergieauslöser wie Hausstaubmilben, Tiere oder Pollen, starke Hitze oder Kälte, mechanische Hautreizungen, psychische Anspannung und Infekte als Stressfaktoren. Diese Faktoren können bei jedem Kind ganz unterschiedlich sein!
Als Komplikationen einer Neurodermitis können Infektionen der Haut durch Bakterien und Viren, Reizbarkeit durch Juckreiz und Schlaflosigkeit, eventuell auch ein sozialer Rückzug auftreten.
Unabdingbar für die Behandlung jeder Neurodermitis ist eine intensive und der jeweiligen Hautsituation und Jahreszeit angepasste Hautpflege (Stufentherapie der Neurodermitis). Im Sommer braucht die Neurodermitishaut zur Grundpflege eher eine Creme, im Winter eine Salbe. Je nach Hautzustand werden Juckreiz stillende, antiinfektiöse oder antientzündliche Wirkstoffe beigemischt. Bei starkem Juckreiz müssen eventuell innerlich Juckreiz hemmende Medikamente gegeben werden, bei bakteriellen Infektionen Antibiotika.
Die Kleidung darf nicht kratzen, muss Schweiß aufsaugen und soll luftdurchlässig sein.
Ein Säugling mit Neurodermitis sollte möglichst vier bis sechs Monate voll gestillt werden. Die Beikost sollte vorsichtig und nicht zu schnell eingeführt werden, insbesondere Kuhmilch, Eier, Nüsse, und Fisch müssen im ersten Lebensjahr gemieden werden. Eine Auslassdiät, insbesondere wenn sie kleine Kinder betrifft, darf nur bei spezieller Indikation unter Kontrolle des Arztes oder der Ernährungsberaterin durchgeführt werden, da ansonsten Mangelerscheinungen drohen.
Die Neurodermitis nimmt einen Verlauf in Schüben mit erscheinungsfreien oder erscheinungsarmen Phasen und Verschlechterungsphasen. Bei den meisten Kindern kommt es glücklicherweise bis zum Schulalter zu einer deutlichen Besserung des Hautzustandes. Die Neigung zu trockener Haut bleibt allerdings bestehen. Es besteht jedoch weiterhin eine erhöhte Allergiebereitschaft (z.B. auf Pollen, Tiere, Hausstaubmilben) und ein erhöhtes Asthmarisiko.
Die fünfzehnjährige Tanja trägt gerne Modeschmuck. In den letzten Wochen macht ihr dies jedoch nur halb soviel Spaß wie zuvor. An den Ohrläppchen juckt es. Am Hals haben sich kleine juckende Bläschen gebildet. Auch am Bauch, wo der Jeansknopf an der Bauchhaut anliegt, hat sich ein Ausschlag gebildet.
Sie geht zu ihrer Ärztin, die eine allergische Reaktion auf die im Schmuck enthaltenen Metalle vermutet und Tanja zu einem Allergologen überweist. Beim Allergologen wird ein Pflastertest am Rücken angelegt, der nach drei Tagen abgelesen wird: Tanja reagiert allergisch auf Nickel. Tanja erfährt, dass sie keinen Schmuck, der Nickel enthält, mehr tragen darf. Auch Jeansknöpfe können Nickel enthalten. Sie muss darauf achten, dass diese Knöpfe nicht mehr direkt mit der Haut in Berührung kommen. Für Schmuck muss sie jetzt leider mehr Geld ausgeben: edlere Metalle machen allergologisch fast nie Probleme.
Ein Kontaktekzem bzw. Kontaktdermatitis ist eine Entzündung der Haut,
die durch Kontakt mit einer allergieauslösenden Substanz hervorgerufen wird.
Es handelt sich dabei um eine allergische Reaktion vom Spättyp (Typ IV-Reaktion,
siehe
Kapitel 16). Der Begriff Dermatitis
wird eher für akute, der Begriff Ekzem eher für chronische Entzündungen
verwendet.
Ein allergisches Kontaktekzem äußert sich als juckende Hautrötung mit Bildung von Bläschen, Knötchen und Krusten. Bei längerem Verlauf wird die Haut auch verdickt (lichenifiziert).
Beim allergischen Kontaktekzem läuft eine allergische Reaktion vom Spättyp (Typ IV) ab. Sie betrifft entsprechend veranlagte Personen nach Kontakt mit einer allergieauslösenden Substanz. Sie entwickelt sich in der Regel im Verlauf von Jahren und ist daher bei Kindern unter zehn Jahren nur selten anzutreffen. Eine Sensibilisierung ist jedoch in Ausnahmefällen auch innerhalb von sieben bis zehn Tagen möglich.
Die häufigsten Allergieauslöser sind:
Hier können nur die häufigsten Allergene aufgeführt werden. Bei Erwachsenen spielen berufsbezogene Stoffe eine große Rolle. Bei Kindern werden zunehmend häufiger Kontaktallergien auf Henna-Tatoos zum Problem. Der Allergieauslöser ist hierbei nicht Henna selbst, sondern das zur Steigerung der Farbintensität und Haltbarkeit zugesetzte Paraphenylendiamin (PPD).
Die entscheidenden Hinweise liefert bereits die Anamnese. Es muss nach allergieauslösenden
Substanzen gefahndet werden, mit denen die Haut in Berührung gekommen ist.
Ist die verdächtige Gruppe von möglichen Auslösern eingegrenzt,
folgt ein Pflastertest (siehe
Kapitel 3.5). Eine Rötung
mit Bildung von Bläschen und Knötchen zeigt, dass die Haut allergisch
auf die betreffende Substanz reagiert.
Bei einer allergischen Kontaktdermatitis ist das oberste Prinzip die Allergenvermeidung, das heißt der Kontakt mit der allergieauslösenden Substanz muss unbedingt ausgeschaltet werden. Ansonsten ist keine Heilung möglich. Dies ist bei einer Nickelallergie durch Modeschmuck noch relativ einfach zu bewerkstelligen. Schwieriger wird es bei beruflichen Allergenen. Wo kein Schutz z.B. mit Handschuhen möglich ist, muss unter Umständen sogar der Arbeitsplatz gewechselt werden.
Im Akutstadium der Kontaktdermatitis werden kühlende feuchte Umschläge z.B. mit Eichenrindezusatz mehrmals täglich für zehn bis fünfzehn Minuten verabreicht. Bei schweren Fällen müssen unter Umständen kurzzeitig Kortikoid-haltige Cremes angewendet werden. Die weitere Behandlung erfolgt dann mit einer Pflegecreme oder -salbe.
Vom allergischen Kontaktekzem muss das irritativ-toxische Kontaktekzem unterschieden werden. Das irritativ-toxische Kontaktekzem kommt durch eine Reizung der Haut durch verschiedene aggressive Substanzen zustande. Es tritt bei entsprechender Dosis und Einwirkungsdauer bei jeder Person auf. Allergische Reaktionen laufen nicht ab.
Die wichtigsten Auslöser eines irritativ-toxischen Kontaktekzems sind Wasser, Seifen, Reinigungsmittel, Säuren, Laugen, Lösungsmittel. Eine mechanische Hautreizung kann den Prozess der Hautschädigung verstärken. Der Windelausschlag beim Säugling ist ein Beispiel einer irritativ-toxischen Kontaktdermatitis. Er wird durch den Kontakt mit Urin, Stuhl und eventuellen Resten von Reinigungsmitteln hervorgerufen und kann durch eine zusätzliche Infektion mit Pilzen kompliziert werden. Aber auch häufiges und ausgedehntes Schaumbaden kann eine irritativ-toxische Kontaktdermatitis auslösen. Ansonsten sind vor allem Personen betroffen, die mit den genannten Substanzen regelmäßig umgehen, beispielsweise im Haushalt, im medizinischen Bereich durch häufiges Händewaschen oder bei Friseuren.
Diagnostisch müssen in Zweifelsfällen Kontaktallergien durch einen Pflastertest ausgeschlossen werden. Die Therapie besteht in der Einschränkung des Kontakts mit den reizenden Substanzen sowie einer sorgfältigen Hautpflege, eventuell können bei bestimmten Tätigkeiten Handschuhe getragen werden. Die Windeldermatitis wird mit einer Zinkpaste behandelt.
Die Vorbeugung allergischer Reaktionen an der Haut beginnt bereits im Säuglingsalter. Zur Hautreinigung genügt meist Wasser ohne Seife. Zum Baden ist ein Badezusatz normalerweise nicht erforderlich. Bei Bedarf kann zur Hautreinigung eine milde Babyseife oder ein Syndet verwendet werden. Ein guter Duft ist nicht unbedingt das beste Auswahlkriterium bei solchen Präparaten.
Auch nach dem Säuglings- und Kindesalter sollte bei Hautreinungs- und Pflegemitteln auf allergenarme Präparate geachtet werden. Viele Duft- und Konservierungsstoffe sind potentielle Allergieauslöser. Ein sorgfältiges Abtrocknen der Hände nach dem Händewaschen verhindert feuchtigkeitsbedingte Hautreizungen. In gefährdeten Berufen (z.B. Friseur) sollte mit Hautschutz und Handschuhen gearbeitet werden.
Das allergische Kontaktekzem kommt durch den Kontakt allergieauslösender Substanzen mit der Haut zustande. Sie äußert sich als juckende Hautrötung mit Bildung von Bläschen, Knötchen und Krusten. Häufige Auslöser sind Metalle wie Nickel in Modeschmuck oder Jeansknöpfen sowie Konservierungs- und Duftstoffe in Kosmetika. Die Diagnose erfolgt durch den Pflastertest.
Die irritativ-toxische Kontaktdermatitis wird durch die Haut reizende aggressive Substanzen wie Reinigungsmittel, Säuren und Laugen verursacht.
Die auslösenden Substanzen müssen streng gemieden werden.
Der dreijährige Paul hatte seit zwei Tagen Husten und Fieber. Die Kinderärztin hatte eine Bronchitis festgestellt. Die Mutter machte Wadenwickel und gab Paul viel zu trinken. Am dritten Tag traten plötzlich weiße erhabene Flecken mit einem roten Saum auf. Sie sahen so ähnlich aus, als Paul sei Paul in Brennnesseln gefallen. Die Flecken juckten stark und wechselten rasch ihren Ort, sie wanderten innerhalb von zwei Stunden von den Armen zu den Beinen und ins Gesicht. Pauls Mutter war sehr beunruhigt und stellte Paul bei der Kinderärztin vor. Nach einer gründlichen Untersuchung konnte diese die Mutter beruhigen. Es handelte sich um einen Nesselausschlag, hervorgerufen durch den Virus, der auch die Bronchitis ausgelöst hatte. Paul erhielt juckreizstillende Tropfen. Nach vier Tagen waren die Bronchitis und der Nesselausschlag abgeklungen.

Abbildung 6-8: Nesselausschlag am Oberschenkel
Ein Nesselausschlag (auch Nesselsucht oder
Urtikaria genannt) kommt meistens plötzlich und unerwartet.
Man versteht darunter flüchtige, juckende beetartige Erhebungen der Haut
(= Quaddeln), die aussehen, als sei man in Brennnesseln gefallen. Die Quaddeln
und die umgebende Rötung können stecknadelkopf- bis handtellergroß
sein und den Ort rasch wechseln. Meist besteht ein ausgeprägter Juckreiz
(siehe
Abbildung 6-8).
Man unterscheidet einen akuten Nesselausschlag, der plötzlich auftritt und in der Regel nach einigen Tagen wieder verschwunden ist von einem chronischen Nesselausschlag, der über mehr als 6 Wochen immer wieder in Erscheinung tritt.
Ist der Nesselausschlag nur auf die Haut beschränkt, ist er zwar lästig, aber ungefährlich. Tritt er jedoch im Rahmen einer Allgemeinreaktion z.B. bei einer Insektengift- oder Nahrungsmittelallergie gemeinsam mit Atemnot , Zungenschwellung, Kreislaufschwäche oder anderen bedrohlichen Symptomen auf, ist rasche ärztliche Hilfe und Abklärung der Ursache unbedingt erforderlich.
Unterschiedliche Auslöser führen durch Freisetzung von Histamin und anderen Botenstoffen zu Ausschlag und Juckreiz. Diese Auslöser können durch direkten Kontakt mit der Haut oder aber von innen heraus wirksam werden. Es kommt auch vor, dass mehrere Faktoren zusammenwirken müssen, damit sich eine Urtikaria zeigt: z.B. Virusinfekt + Antibiotikum, körperliche Anstrengung + Nahrungsmittel.
Die wichtigsten Ursachen für einen Nesselausschlag bei Kindern und Jugendlichen sind:
Tritt ein Nesselausschlag einmalig im Rahmen eines Infektes ohne sonstige Begleitsymptome auf und verschwindet nach einigen Tagen wieder, braucht das Kind nicht mit weiteren Untersuchungen belastet zu werden. Ist ein Nesselausschlag jedoch von Symptomen wie Atemnot, Zungenschwellung oder Kreislaufschwäche begleitet oder treten häufige Schübe auf, ist eine eingehende Ursachenabklärung einschließlich Allergietestung erforderlich.
Ein akuter Nesselausschlag (akute Urtikaria) ist bei Kindern meist durch einen Infekt ausgelöst. Es zeigen sich flüchtige, juckende beetartige Erhebungen der Haut (= Quaddeln), die aussehen, als sei man in Brennnesseln gefallen. Ist der Nesselausschlag nur auf die Haut beschränkt, ist er zwar lästig, aber ungefährlich. Tritt er jedoch im Rahmen einer Allgemeinreaktion z.B. bei einer Insektengift- oder Nahrungsmittelallergie gemeinsam mit Atemnot , Zungenschwellung, Kreislaufschwäche oder anderen bedrohlichen Symptomen auf, ist rasche ärztliche Hilfe und Abklärung der Ursache unbedingt erforderlich.
Die dreizehnjährige Jessika steht auf braune Haut. Bei den ersten kräftigen Sonnenstrahlen nimmt sie ausgedehnte Sonnenbäder. Sie weiß natürlich, dass zu viel ultraviolette Strahlung ungesund ist und reibt sich kräftig mit ihrem wohlduftenden Sonnenschutzmittel ein. Am Samstag geht noch alles gut. Am Sonntagabend aber sind ausgedehnte Bezirke der Haut rot, es zeigen sich kleine Knötchen und es juckt furchtbar. Jessica hält das Ganze zunächst für einen Sonnenbrand.
Als sie trotz vorsichtiger Besonnung und Sonnenschutzmittel am nächsten Wochenende wieder den selben Hautausschlag bekommt, kommt ihr die Sache doch spanisch vor und sie geht zu ihrer Kinder- und Jugendärztin. Diese begutachtet Jessicas Haut und lässt sich als erstes das verwendete Sonnenschutzmittel zeigen. Das Verzeichnis der Inhaltsstoffe erhärtet ihre erste Vermutung: sie entdeckt einen verdächtigen Emulgator darauf. Sie empfiehlt Jessica ein Präparat mit weniger allergieauslösenden Substanzen und bespricht mit ihr die schädlichen Auswirkungen von zu viel Sonnenlicht. Falls auch mit dem neuen Präparat Hautreaktionen auftreten sollten, müsse ein ausführlicher Allergietest gemacht werden. Dieser war jedoch nicht nötig, das neue Sonnenschutzmittel ohne diesen Emulgator machte keine Probleme.
Die sogenannte Sonnenallergie ist zum einen durch eine direkte Einwirkung des Sonnenlichts verursacht, möglicherweise spielen zusätzlich auch noch allergische Reaktionen eine Rolle. Die Sonnenallergie wird im medizinischen Sprachgebrauch als polymorphe Lichtdermatose bezeichnet. Die Bezeichnung polymorph (vielgestaltig) weist schon darauf hin, dass das Erscheinungsbild sehr bunt sein kann. Durch die verstärkte Sonnenbestrahlung während der Freizeit tritt die Sonnenallergie auch bei Kindern zunehmend häufiger auf. Im Frühjahr und Sommer zeigen sich an den der Sonnenbestrahlung ausgesetzten Hautbezirken eine Rötung, Schwellung sowie kleine juckende Knötchen, selten auch Blasen.
Bei den photoallergischen Reaktionen kommt es durch das Zusammenwirken von Allergieauslösern mit Sonnenlicht zu einem Hautausschlag mit Hautrötung, Bildung von Bläschen oder Blasen. Am bekanntesten ist die Wiesengräserdermatitis, bei der es nach Kontakt mit Wiesengräsern und anschließender Sonnenbestrahlung zum Hautausschlag kommt. Furocumarine sind hier das Allergen. Furocumarine sind auch in ätherischen Ölen und als Duftstoffe in Kosmetika enthalten, sodass an den lichtzugängigen Stellen, an denen beispielsweise das Parfüm aufgetragen wurde, eine Hautreaktion entsteht. Auch Sonnenschutzmittel können photosensibiliserende Substanzen wie Paraaminobenzoesäure oder Benzophenone enthalten, sodass bei einer Sonnenallergie auch an diese Auslöser gedacht werden muss.
Zahlreiche Medikamente können auch bei innerlicher Anwendung als Photoallergen wirken, beispielsweise Antibiotika wie Sulfonamide, Tetrazykline, harntreibende Mittel oder Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen. Viele dieser Medikamente werden jedoch bei Kindern nicht oder nur selten angewendet.
Bei unklaren Hautausschlägen an lichtexponierten Hautpartien ist auch immer an eine photoallergische Reaktion zu denken. Verabreichte Medikamente, Hautkontakte mit Pflanzen sowie Kosmetika oder Sonnenschutzpräparaten müssen bekannt sein. In schwierigen Fällen ist die Testung in einer speziellen Einrichtung zur Diagnostik photoallergischer Reaktionen (meist in einer Hautklinik) erforderlich, wo die Haut mit UV-Licht verschiedener Intensität und Wellenlänge bestrahlt werden kann (sogenannte Lichttreppe).
Bei dem Verdacht oder Nachweis von photoallergischen Reaktionen dürfen mögliche Auslöser nicht mehr mit der Haut in Kontakt gebracht werden. Verdächtige Medikamente müssen abgesetzt oder durch ähnlich wirkende Präparate aus einer anderen Substanzgruppe ersetzt werden. Auch hier helfen ebenso wie bei der Sonnenallergie im Akutstadium kühlende Umschläge oder Cremes. Bei einer ausgeprägten Sonnenallergie kann für einige Tage eine Kortison-haltige Creme erforderlich werden. Bei ausgedehntem Befall und starkem Juckreiz werden auch innerlich Antihistaminika (z.B. Aerius®, Fenistil®, Lisino® und Generica, Telfast®, Zyrtec® und Generica, Xusal®) eingesetzt.
Da es sich bei den meisten durch Sonnenlicht bedingten Hautveränderungen um vermeidbare Erkrankungen handelt, ist hier die Vorbeugung besonders wichtig und erfolgversprechend. Die Gewöhnung an das Sonnenlicht muss unbedingt langsam erfolgen unter Verwendung eines Sonnenschutzmittels, welches sowohl UVA- als auch UVB-Strahlen zurückhält. Eine lichtentwöhnte Haut sollte man ohne Sonnenschutz anfangs maximal zehn Minuten pro Tag der Sonne aussetzen. Bei der Auswahl von Kosmetika und Sonnenschutzmittel sollte man Präparate verwenden, die möglichst wenig allergieauslösende Emulgatoren, Stabilisatoren, Konservierungsstoffe und Parfüme enthalten.
Bei der Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) entstehen nach Sonnenbestrahlung kleine juckende Knötchen an der Haut. Die Ursache ist eine direkt schädigende Wirkung des Sonnenlichts, eventuell sind auch allergische Mechanismen mitbeteiligt. Durch das Zusammenwirken von Sonnenlicht und allergieauslösenden Substanzen (z.B. Wiesengräser, Konservierungs- und Duftstoffe) kommt es zu photoallergischen Reaktionen. Eine wichtige vorbeugende Maßnahme bereits in jungen Jahren ist, die Haut langsam an die Sonnenstrahlen zu gewöhnen und keine zu langen Sonnenbäder zu nehmen. Dies wird mit Dünnerwerden der Ozonschicht immer wichtiger.
Bei Jugendlichen mit Allergien der Haut und Ekzem spielt bei der Berufswahl die Belastung durch Allergieauslöser und andere Belastungsfaktoren am zukünftigen Arbeitsplatz eine besondere Rolle. Eine gründliche Vorbereitung und Planung der Berufswahl ist erforderlich.
Die überwiegende Mehrzahl der beruflich bedingten Hauterkrankungen sind Handekzeme. Besonders gefährdet sind Personen, bei denen
Die erste medizinische Anlaufstelle ist der behandelnde Kinder- und Jugendarzt bzw. Allergologe. Er kann aufgrund der vorliegenden Befunde darüber informieren, welche Risiken und Belastungsfaktoren vermieden werden sollten, welche Berufsbilder am geeignetsten sind und welche vorbeugenden Maßnahmen getroffen werden können. Der Berufsberater beim Arbeitsamt kann dann auf diesen Informationen aufbauend über mögliche Berufswege beraten, vorhandene Ausbildungsstellen vermitteln oder vor der Berufsausbildung eine Berufsfindung, eine Arbeitserprobung oder einen Förderlehrgang vorschlagen.
Die Ekzemhaut ist weniger belastbar und reguliert schlecht die Wärme. Jugendliche mit Hautallergien oder Ekzem (insbesondere im Bereich der Hände) oder mit besonderen Risikofaktoren für diese Erkrankungen sollten daher Berufe mit folgenden Belastungsfaktoren meiden:
Liegen zusätzlich Inhalationsallergien (z.B. auf Tierhaare oder Schimmelpilze)
oder Nahrungsmittelallergien vor, erschwert dies die Berufswahl zusätzlich
(siehe auch
Kapitel 5.4.24, "Berufswahl
bei Allergien der Atemwege und Asthma"). Zudem besteht die Neigung zur Allergieausweitung,
das heißt, dass sich bei bereits bestehenden Allergien bei entsprechendem
Kontakt weitere Allergien entwickeln können. Allerdings können sich
auch bei bisher Gesunden im Laufe des Berufslebens noch Allergien entwickeln.
Die Berufswahl bei Jugendlichen mit Allergien der Haut und Ekzem ist immer eine individuelle Entscheidung, die nach entsprechender eingehender Beratung mit dem Arzt und dem Berufsberater getroffen werden sollte. Unter Umständen müssen je nach Ursachen und Schweregrad der Erkrankung nicht immer alle oben genannten Einschränkungen eingehalten werden. Oft kann auch durch entsprechende Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz der Kontakt mit Allergie- oder Reizstoffen deutlich reduziert werden, die Berufsgenossenschaften haben dazu entsprechende Empfehlungen und Vorschriften herausgegeben. Latexallergiker müssen Schutzhandschuhe aus Latex generell meiden.
Die folgenden
Tabellen 6-3, 6-4 und 6-5 zeigen Beispiele von besonders hautbelastenden,
hautbelastenden und wenig hautbelastenden Berufen und sollen als Entscheidungshilfe
dienen.
Vor allem die besonders hautbelastenden Berufe in
Tabelle 6-3 sind für Jugendliche mit Handekzem sehr problematisch.
Je nach Tätigkeitsgebiet können jedoch bestimmte Berufsfelder durchaus
hautverträglich sein, z.B. bei Berufen in der Holzverarbeitung, Schlossern,
Mechanikern und Montierern. Daher ist immer die Überprüfung des Einzelfalles
erforderlich.
Tabelle 6-3: Beispiele für besonders hautbelastende
Berufe (Quelle: Prof. Diepgen)
Die Hautbelastung nimmt von oben nach unten ab
|
Tabelle 6-4: Beispiele für hautbelastende Berufe
(Quelle: Prof. Diepgen)
Die Hautbelastung nimmt von oben nach unten ab
|
Tabelle 6-5: Beispiele für wenig hautbelastende Berufe
|
Die Berufswahl muss bei Allergien der Haut und Ekzem sorgfältig geplant werden. Stark die Haut belastende Berufe sowie Berufe mit engem Kontakt zu potenten Allergieauslösern sind ungünstig.